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Mechthild Bordt-Haakshorst (3. Lyrikpreis, Herbst 2008, Esslingen)
Tatsache des Verlustes
Es ist Juli
der Atem
schlägt um
So könnte es sein
wenn die Zeit entweicht
kein Gedicht mehr kommt
ich ohne einen Kuss losgehe
die Haut den Geruch zusammenfaltet
das Auge deinen Körper nicht mehr umarmt
der Blick in kein Buch mehr schreibt
sich einschließt
der Mut keine Geschichte wird
ein fremder Morgen aufsteht
ohne uns fortgeht
Die Zeit schaut sich
nicht nach mir um
wenn sie geht
Rosemarie Bühler 2. Lyrikpreis beim 1. Kempener Literaturwettbewerb 2007
Wortschöpfung
mein Körper ist müde mein
Kopf will nicht ruhen
er leidet an
Zwang zum Wortgesang
im gläsernen Dunkel klirren
die Wörter und schwirren umher
zersplittern am Rand der Wirklichkeit
formieren sich neu
und kommen daher
in andrem Gewand
verlangen nach Schrift
und Zusammenhang
weben sich ein in Teppich und Band
schieben sich dann im Buchstabenkleid
langsam
und still
am Aug mir vorbei
ich schwimme in Wörtern
sie halten mich
fest und klammern
an mir und reißen mich mit
sie schütten sich aus
in Schwall und Kaskade
ein Satz will werden
ich schaue ihm zu
von selbst vollendet er Sinn und Gestalt
ich staune
hör auf!
sag ich ins Dunkel zu meinem Kopf
gib Ruh!
ich will schlafen
Sven- André Dreyer Haiku - Wettbewerb, Düsseldorf 2011 im Rahmen der Japan Woche,
- 150 Jahre Freundschaft Deutschland – Japan -
Preisverleihung deutschsprachiger Haiku
Händchen in Händchen,
der Sommerstrom glitzert blau.
Zwei Kinder am Fluß
Uwe Erwin Engelmann Inge-Czernik-Förderpreis für Lyrik, 1.Preis 2009
Sprachheimat
Denn
Heimat blieb mir
Nur die Sprache
Zwischen
Wünschen und Tasten
Solchem und Jenem
Zwischen
Heute und Morgen und Hier
Drüben und Dort
Zwischen
Schreiben und Schweigen
Stehe ich und hoffe
bleiben zu können
in ihr
mit ihr
meiner Sprache
"Fö-Bang" (SukBoon Kim)
2008 erhielt die Künstlerin die besondere Auszeichnung der Peace Fine Arts Association
mit dem Kalligraphie-Preis, der sie als Meisterin ihrer Kunst auszeichnet.
Jutta Kieber
Ausgezeichnete des ersten FDA-Literaturpreises 2005,
verliehen auf der Leipziger Buchmesse am 19.3.2005
für Kurzgeschichte „Generalprobe“, erschienen in
der Anthologie „Fortgesetzter Versuch einen Anfang zu finden“
im SALONLiteraturVERLAG München.
Die Anthologie zum FDA-Literaturpreis 2005 stellt die besten
Beiträge aus 1823 anonym eingesandten Texten vor.
Es entstand ein ebenso vielsagender wie interessanter Abriss
über die Seelenlage der deutschen Nation und
ihrer Autorinnen und Autoren.
Marianne Kuhlmann 1.(6. Wolfgang A. Windecker Lyrikpreis - 2009, dotierter 3. Platz)
Im Zeichen des Hundes
(1990 Ausbruch des Balkan-Krieges im Vincent van Gogh-Jahr)
Eine Kreissäge zerschneidet
den Hochsommertag
platzsatt steht das Weizenfeld
im Widerspruch
zu der hungrigen Sonne van Goghs
oh diese Hundstage
brandschatzend zieht die Meute
über das Land
mohnrot fackelt Farbe
auf dem Gerippe der Gräser
Grillengezirpe
fällt wie Metallspäne
durch die gebleichten Schatten
der Pappelbäume
während Knochenmehl
das Stundenglas füllt
dreht sich die Erde gezeichnet
(eines der 6 eingereichten Gedichte)
2. Haiku - Wettbewerb, Düsseldorf 2011 im Rahmen der Japan Woche,
- 150 Jahre Freundschaft Deutschland – Japan -
Preisverleihung deutschsprachiger Haiku
Verschleiert die Welt
Perlen schmücken die Gräser
Septemberliebe
Michaela Schröder 1. Preis Lyrik, FDA - Wettbewerb "Kleist und Ich"
Freier deutscher Autorenverband (FDA), Bundesverband
Ich, Penthesilea
Auch ich bin Penthesilea.
Kriegerin. Königin.
Schlummern jungfräulich in mir.
Komm, lege dich zu Füßen hier –
Denn die Gefühle dieser Brust, o Jüngling,
Wie Hände sind sie, und sie streicheln dich.
Begehren dich.
Schön bist du
gleich einem jungen Reh
ist dein mein Leib.
Komm, Gejagter, jage mich
wie die Hinde auf dem Feld
flieh hin, mein Freund, über die Berge.
Gefühle Hände und sie streicheln dich.
Morgens Dusche, Haarföhn, Wimperntusche.
Parkplatzsuche.
Selbstmanagement emotional Selbstkontrolle.
Gepflegt. Gebenedeit. Unter den Weibern.
Seist du, Heilige.
Karies und Parodontose in Ursache und Wirkung erklärst du geduldig vor einem Eisgeschäft
deinem Dreijährigen.
Es heißt, dein Sohn wolle dich schleifen
hinter seinem Streitwagen
dreimal um die Stadt.
Jaja, sagst du. Lächelst sanft.
Ich erlege dein Kind mit Pfeil und Bogen.
Nur so,
damit die Wirklichkeit dich trifft.
Penthesilea, meinst du, bist du nicht?
Würdest nicht mich ob dieser Tat,
den Vater des Kindes nicht,
will er dich verlassen, eine andere begehren,
mit Wölfen, Hund und Zahn zerfleischen?
Können?
Ha! Sein Geweih verrät den Hirsch,
würde nie über deine Lippen kommen?
Ach, geh...
Zwischen Krawatte und Turnschuhen suche ich nach dir,
Achill.
Denn ich bin Penthesilea!
Mit dem Handrücken habe ich die Wimperntusche über mein Gesicht gewischt
Kriegerin
mit dir
bin ich.
1
In der Unterwelt, ich weiß.
Dort nur finden wir uns.
Im Untergrund, nicht in der Untergrundbahn,
leben wir nahe Troja.
Jage mich, Gefangener, jage mich,
mit Rosen schmücke ich dich.
Sobald sie reif sind, Liebster, pflückst du sie.
Und sprichst sie doch, die falschen Worte:
Bist mir zu Füßen, Treffliche, gesunken.
Nicht ich dir.
Du sprichst, Achill, als wär ich Gretchen.
Und dann, Achill, schweigst du zu viel.
Über deinen Sinneswandel.
Genau wie jene in Geschäftsbüros.
Was soll ich glauben, wenn du zu mir kommst?
Was muss ich glauben! Sage doch!
Nur zum Schein mit einem Spieß dich arglos ausgerüstet
Denkst du, dass ich das denke,
Stutzt du, und drehst den schlanken Hals, und horchst,
gleich einem Reh.
Und siehst dich schüchtern um.
Und trotzdem, Geliebter, verstehst du mich!
Rührst meine sanfte Wange an.
Den Pfeil in dir, rührst du sie an.
Krieger sind wir, königlich.
Denn nackt wie das Wild wollen wir rennen,
den Flusslauf entlang, den Bogen gespannt,
und stürzen in Büschen übereinander,
und dringen in Wäldern, an Seen ineinander
dringen voran, steigen bergan,
wenn der Tau in den Wiesen
nässt unsern Schoß.
Rufst DU nicht den Pizzaservice.
Darum suche ich nach dir!
Zeige dich!
Ich bin´s!
Ich, Penthesilea.
Ellinor Wohlfeil
Am 14. November 2007 wurde Ellinor Wohlfeil vom
Freundeskreis Düsseldorfer Buch '75 e.V.
für ihr literarisches Gesamtwerk der Literaturpreis verliehen
Siegfried Jahnke sagte in seiner Laudatio:
„Durch einstimmigen Beschluss des Vorstandes
erhält eine Autorin diesen Preis, deren
Prosaerzählungen und Romane sich durch einen
heute selten gewordenen Stil und eine Sprache
auszeichnen, die sich in so herausragender Weise
von anderen, dem Zeitgeist geopferten Arbeiten abhebt.
… Alles, was Ellinor Wohlfeil geschrieben hat,
ist so dicht und gekonnt geschildert, dass es außer Zweifel steht:
Ellinor Wohlfeil wird einen bleibenden Platz in der deutschsprachigen
Literatur über die Gegenwart hinaus einnehmen.“
Andreas Züll
"Diploma di meriti" beim XI Concoro Internationale di Poesie (Benevento/Italien), 2007
halleluja
für pfarrer philipp cuck, schleiden
ich hörte einst
da ist ein ort
wo’s leben ist
und wünscht mich fort
doch fand ich nicht
das heil’ge dort
doch wispert’s in mir leise
halleluja
es war als wär
das leben dort
ich suchte lang
nach diesem ort
und fand doch nicht
ein liebes wort
es flüstert in mir leise
halleluja
mensch du lebst
dein leben fort
und suchst und suchst
den stillen ort
doch bist dus selbst
der schöpferhort
sanft klingt’s in deinem herzen
halleluja
glaub daran
und sprech ein wort
es gibt ihn doch
den guten ort
und hört’s dein herz
du gehst nie fort
in deinem geiste singt es
halleluja
hörst du auch
dies eine wort
du bist zuhaus
wünsch dich nicht fort
vertrau darauf
auf diesen ort
es gibt nur eine heimat
halleluja
ich such nicht mehr
frag nicht ein wort
geborgen schon
an jenem ort
ziel und aufbruch
liegen dort
die antwort in mir klarer
halleluja
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